Twitch erklärt. Für Außenstehende.

Twitch – eine Welt so präsent und so fern. Seitdem ich wieder regelmäßiger streame, kommen in meinem Umfeld viele Fragen auf. Diese Fragen werde ich in diesem Twitch-Guide beantworten sowie die grundlegenden Funktionen der Plattform erklären. Am Ende sollst du ein umfassendes Bild der Plattform und ihrer Eigenarten haben, wenn du vorher bisher nur den Namen der Plattform kennst. Man könnte bei einigen Punkten weiter in die Tiefe gehen, aber ich denke, es sollte für Zuschauende erklärend sein. Wer selbst streamen möchte, wird dann noch weitere Fragen und Herausforderungen haben.

Was ist Twitch?

Twitch ist eine Video-Livestreaming-Plattform, die bis vor wenigen Jahren vorrangig zur Übertragung von Videospielen und der Interaktion mit den Zuschauer:innen genutzt wurde. Heute spielen Videospiele ohne Frage die Hauptrolle, aber es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. 
Gegründet wurde die Plattform 2011 als Ausgliederung des Streamingportals Justin.tv. Amazon kaufte Twitch 2014 für 970 Millionen US-Dollar.

Twitch ist Fernsehen 2.0

Um die Grundidee der Plattform als Außenstehender besser zu verstehen, kannst du dir jeden Streamer wie einen eigenen TV-Kanal vorstellen. Und in der Tat, haben große Streamer wie Monte (aka Montana Black) eine Rundfunklizenz (wenn auch nicht ganz freiwillig). Wenn du dir einen Stream als TV-Sender vorstellst, wird das Bild schnell klarer.

Der Streamer ist der Programmdirektor:in und Moderator:in der Sendung in Personalunion. Ab einer gewissen Größe und Interaktivität wird dieser durch Moderator:innen (Freund:innen oder Zuschauer:in) des Chats unterstützt. Der Chat ist das Goldstück jedes Streamers, denn dieser bildet seine Community. Und jede Community hat seine Eigenheiten, obwohl sie sich alle auf der gleichen Plattform tummeln. Dazu später mehr.

Was wird auf Twitch gestreamt? 

Bleiben wir bei dem TV-Beispiel, denn ich denke, dass es als Außenstehender schneller greifbar ist. In meinem Fall spiele ich aktuell Call of Duty Warzone (ein Ballerspiel). Manchmal spiele ich Valorant (anderes Ballerspiel), in der Vergangenheit habe ich Call of Duty Multiplayer (anderer Modus im Ballerspiel), Fifa (super aggressiv machende Fußballsimulation) oder GTA V (Action-Adventure-Spiel mit Rennspiel- und Third-Person-Shooter-Elementen) gespielt. Diese Variation an Spielen spiegeln einzelne Sendungen wieder: Doku, Soup, Trash-TV und was sonst immer auf dem TV-Sender deiner Wahl laufen mag. Bei anderen Streamern kann das ein anderes Spiel sein, oder als DJ(ane) spielt man unterschiedliche Sets, man baut verschiedene Sachen (DIY) oder malt ein sehr aufwendiges Bild.

Ein Auszug der Twitch-Kategorien

Neben den Videospielen gibt es eben auch andere Kategorien. Wie schon geschrieben, es gibt auf Twitch fast nichts, was es nicht gibt – im positiven wie im negativen Sinne.

Die bekannteren Kategorien neben den Videospielen sind 

  • Just Chatting (worunter IRL-Streams fallen – „in real life“)
  • Musik
  • Kunst
  • ASMR 
  • Herstellen & Basteln

Es gibt zwei Kategorien, auf die komme ich später zu sprechen: „Pools, Hot Tubes & Beaches“ und Slots (Online-Casinos), die durchaus ein Problem darstellen. Da jede Plattform ihre Problemfelder hat, möchte ich für Twitch diese zumindest erwähnt haben.

Der „Landwirt_in_MV“ lässt 1700 Zuschauer beim letzten Gras-Schnitt zuschauen.

Während ich diesen Text schreibe, streamt der VfL Marburg offenbar ein Hockey-Spiel in der Kategorie „Sports“, Zumbamain gibt live eine Zumba-Session. Mein Lieblingsbeispiel ist nach wie vor Landwirt Van_Hinten88, dem Tausende bei der Arbeit zuschauen, oder die Bäckerei Knuust aus Kiel, die ihren nächtlichen Backvorgang direkt aus der Backstube begleiten. Es gibt Menschen, die sich in Kostümen vor die Kamera setzen (Cosplayer) und z.B. als Captn Jack Sparrow Piratenlieder aus ihrer Kajüte singen (kein Witz).

Nachdem ich dir ein kleines Bild davon gegeben habe, was auf der Plattform gestreamt wird, gehen wir zur größten Besonderheit: der Twitch-Chat.

Was macht den Twitch-Chat besonders?

Wer sich über Twitch unterhält, kommt irgendwann am Thema Chat nicht vorbei. Der Twitch-Chat hat einige Besonderheiten, wie die Twitch Emotes (quasi Emojis, nur für Twitch und aus der Community), Bits (Twitch Währung) und eigene Chat-Funktionen, die individuell durch Drittsoftware aufgebohrt werden können. Es gibt Moderator:innen, sofern notwendig, die den Chat überwachen. Der Chat ist das das Herzstück, denn der Chat bildet die Community.

Was kann der Twitch-Chat?

Der Twitch-Chat ist für die Zuschauer:in, die Möglichkeit, mit dem oder den Streamer:innen zu interagieren oder aber mit anderen im Chat zu sprechen. Über den Chat kann man nicht nur sich kundtun, sondern auch durch Chatbefehle (vom jeweiligen Streamer eingerichtet) Dinge tun. Man kann sich Lieder wünschen, Youtube-Videos in eine Warteschlange vorschlagen, Spieleinstellungen des Streamer abfragen, Clips aufrufen oder Chatspielchen spielen. Was möglich ist, legt der/die Streamer:in fest. Im Prinzip ist es ein Chatbefehl, der mit einem Ausrufezeichen beginnt und dann einen Text oder Link zurückgibt.

Der Chat hat außerdem einige Modi, die den Streamer das Leben erleichtern sollen.

Chat-Modis

  • Follower-Mode: Nur Follower können eine Nachricht abschicken. Zusätzlich kann festgelegt werden, wie lange jemand folgen muss, um eine Nachricht zu schreiben. Spam und Zweitaccounts sollen so verhindert werden.
  • Einzelnachricht-Chat: Die Leute können sich wiederholende Nachrichten nicht abschicken.
  • Slow-Mode: Die Zuschauer:innen können innerhalb einer vom Streamer vorgegebenen Zeitspanne immer nur eine Nachricht abschicken.
  • Sub only: Nur Abonennent:innen, Moderator:innen und VIPs können den Chat benutzen.
  • Emote only: Es kann nur mit Emotes kommuniziert werden, ausgenommen sind hier Moderator:innen.

Was mache ich mit Kanalpunkten?

Durch das Zuschauen kann (sofern eingerichtet) der Zuschauer:in Kanalpunkte verdienen, die ihm weitere Möglichkeiten geben, den Stream interaktiv mit zu gestalten. Diese Möglichkeiten werden von den Streamer:innen selbst bestimmt. Man kann zum Beispiel seine Nachricht hervorheben, sich Lieder wünschen (schwierig wegen der nicht vorhandenen Lizenzen), den Titel des Streams bestimmen, besondere Anforderungen an die nächste Spielrunde setzen oder Sounds abspielen und vieles mehr. Für manche Dinge werden Zusatzdienste benötigt, die an Twitch gekoppelt werden (wie z.B. Soundalerts.com). Der Lieblingssound meiner Community ist „Titanic Flute“, meistens wenn ich kurz gebrochen bin. Gesprochen sein, bedeutet, die Hoffnung in sein eigenes Können verloren zu haben, weil man ziemlich dumm, unnötig oder herabwürdigend aus der Spielrunde genommen wurde.

ab Sekunde 20 😉


Twitchs eigene Sprache

Twitch hat als Plattform eine eigene Kultur und somit einen eigenen Slang, Memes und Ausdrücke, die es woanders nicht gibt. Diese Tatsache dürfte am befremdlichsten wirken. Denn sie haben dort ihren Ursprung, eine Geschichte und finden hin und wieder den Weg über die Twitchwelt hinaus. Emotes und die Verwendung im Chat bilden das Fundament. Und wer Browser-Erweiterungen wie BetterTTV nicht installiert hat, wird statt eines Emotes nur OMEGALUL im Chat lesen. OMEGALUL ist zwar sehr verbreitet und beliebt, aber eben kein globales Emote.

Was sind Twitch-Emotes?

Twitch-Emotes oder lang Emoticons sind ein wichtiger Teil von Twitch und haben bei Streamer:innen ähnlich wie andere Internet-Akronyme den Weg in den Sprachgebrauch gefunden. Natürlich nicht bei allen, aber es ist nicht überraschend, wenn ein Streamer einen ironischen Satz sagt und diesen mit „Kappa“ beendet.

Kappa ist das Emote für Sarkasmus oder Ironie. Das Gesicht gehört zu einem ehemaligen Mitarbeiter und die ganze Erklärung gibt es in dem Video der Gamestar.

Twitch-Emotes teilen sich auf in globale Emotes und kanalspezifisches-Emotes, die mit einem Follower (geringe Auswahl) oder einem Abonomment für alle Emotes der Streamer:innen (Subscription, kurz Sub) freigeschaltet werden.

Kanalspezifische Emotes (Emotes eines Streamers)

Die Emotes für den Kanal werden vom/n Streamer:innen (oder dessen/deren Moderatoren:innen, kurz Mods) selbst hochgeladen. Damit wird auch die Community gebildet, da die Emotes entweder von den Zuschauer:in vorgeschlagen werden, gemeinsam beschlossen werden oder eben der/die Streamer:innen selbst bestimmt wird. Das kann alles sein. Fast alles. Die Emote-Einsendungen werden bei Twitch geprüft und dann freigeschaltet.

Jede:r Streamer:in kann seine Emotes selbst wählen.

In meinem Fall sind die Emotes ein 15kg Salzeimer, weil ich durchaus mal ausraste und dann „salty“ bin, ein Käsekuchen, ein Basketball mit Handgranatenverschluss (Kobe), ein Bild von mir, wie ich ÖY rufe und das Wort „bodenlos“. Andere Streamer haben andere Emotes und die für sie oder ihre Community eine Bedeutung haben, wie z.B. das Ortsschild von Bielefeld, leuchtende Mikrofone (bei DJs), eine rote Karte vom Fußball oder andere Dinge, die persönlich oder thematisch passen.

Es werden damit auch die Eigenarten des Streamers aufgenommen. Wichtig zu wissen und das ist die Besonderheit: Die kanalspezifischen Emotes können auf der ganzen Plattform verwendet werden. Meine Abonnent:innen können also den Käsekuchen oder jedes andere Emote in jedem anderen Chat verwenden. Genauso wie in meinem Stream eben andere Emotes von anderen Streamern erscheinen können, wenn der Zuschauer:in ein Abonnement des Streamers abgeschlossen hat.

Die Emotes eines/r Streamer:in erhält man, wenn man den Kanal abonniert oder einem ein Abo geschenkt wird (was häufig der Fall ist).

Was ist ein Twitch-Sub / Abonnement? 

Ein Sub ist ein kostenpflichtiges Abonnement der Zuschauer:innen an den Streamer:innen. Es gibt dem Zuschauer:in neben den Emotes, ein Abo-Icon im Chat, was völlig individuell durch die Streamer:innen gestaltet wird. Darüber hinaus ist der Stream für Abonnent:innen werbefrei. Ein Abo dauert 30 Tage, ein geschenktes Abo läuft aus, ein selbst abgeschlossenes Abo verlängert sich automatisch, sofern man es nicht kündigt.

Ein Sub kostet (aktuell) 3,99€ für einen Monat und 50% der Nettoeinnahmen gehen dabei an den Streamer, bei größeren Streamern beträgt die Aufteilung noch 70/30 (soll 2023 geändert werden).

Die Besonderheiten bei den Subs sind Twitch Prime und sogenannte gifted Subs und die damit verbundenen Subbomben.

Twitch Prime

Twitch Prime is not a Crime. Twitch Prime ist nichts anderes als ein von Amazon subventioniertes Abo. Sprich, jede:r der einen Amazon Prime Account hat und diese mit Twitch verbindet, kann jeden Monat einen Sub an eine:n Streamer:in verschenken. Kostenlos. Was für viele Streamer ein großer Hebel ist. Knossi hat es als Leuchtschrift in seinem Streamhintergrund stehen „Twitch Prime ist kostenlos.“

Screenshot: https://twitchtracker.com/subscribers

Wenn man sich die Sub-Verteilung anschaut, wird recht schnell klar, wieso Prime Subs relevant für Streamer sind.

Was ist eine Subbombe?

Eine Subbombe ist nichts anderes als viele Subs auf einmal. Subs (also Abonnements) können verschenkt werden und dies sind bis zu 100 Stück auf einmal. Wenn jemand 100 Subs verschenkt, steht der Stream erstmal – außer bei den ganz großen Streamern. In der Regel ist das eher ungewöhnlich, was das ganze Geschehen zum Halten bringt. Der Streamer bedankt sich für diese großzügige Geste beim Spender (sofern nicht anonym), sowie viele, die im Stream sind, bedanken sich für ihren geschenkten Sub. Bis das angerichtete Chaos (deswegen Subbombe) verflogen ist, dauert es ein wenig. Gern auch verbunden mit dem emotionalen Ausraster des Beschenkten (was ganz süß sein kann).

Wie das aussieht, hat McDonalds in einer Koop 2021 in einem Highlight-Video zusammengefasst. McDonalds hat das gemacht, was ich immer jedem gesagt habe (der fragte): Du gehst da rein und unterstützt die Leute, die da sind. Nix anderes.

Was sind Bits auf Twitch?

Bits sind eine digitale Währung von Twitch, um den Streamer direkt über die Plattform zu unterstützen. Die große Zeit der Bit-Spenden ist wohl vorüber, dennoch finden sie nach wie vor statt. Die Bits werden über den Chat gespendet, wo sie sich mit einer Textnachricht verbinden lassen. Je nach Einstellungen des Streamers, kann diese Textnachricht dann direkt im Stream vorgelesen werden (selbiges gilt bei den Subs). Da die Aufteilung bei Bits recht hoch ist, lohnt es sich für den Streamer eher selten. Die Mehrwertsteuer wird abgezogen, ggf. der Zahlungsanbieter, Twitchgebühr und am Ende bleiben dann je nach Höhe der Bits 50-70% beim Streamer hängen. Wer den Streamer unterstützen will, lässt dann eher eine Donation da.

Was sind Donations auf Twitch?

Eine Donation (also Spende) oder kurz Dono ist eine Geldspende, die über externe Dienste abgewickelt wird. Zum Beispiel könnte man dies über einen Paypal-Spendenlink tun. Um aber die Donos im Stream anzeigen zu lassen, bedient man sich Drittanbietern wie z.B. Streamlabs oder Tipeestreams, um darüber die Spenden abzuwickeln. Wer sich fragt, wer jetzt Streamer:innen etwas spende? Das kommt öfter vor, als man denkt, denn darüber werden zum Beispiel Geld für eine bessere Ausstattung oder für den Rechtsbeistand des Vertrauens gesammelt (falls mal was schief gelaufen ist). In der Spitze sieht man bei einigen Streamern Spenden im vierstelligen Bereich. Wie das aussieht, zeigen Mr.Beast, MontanaBlack oder auch Mexify, Julien Bam und Rezo.

Gamification monetarisiert: Top-Listen, Hypetrains und Boosttrains

Twitch sucht viele Wege die eigene Plattform zu monetarisieren. Bei den verschenkten Subs und den Bits gibt es Ranglisten, die der Streamer anzeigen lassen kann. Diese Ranglisten führen durchaus zu Spendenrennen, da das Ego dann reinkickt und man sich gern als Topsupporter des Kanals sieht.

Hier die Top-Subgifter eines Streams.

Der jeweilige Zuschauer trägt das Bunte Päckchen vor seinem Namen, damit jeder sehen kann, dass er die Nummer 1 ist. Es kommt vor, dass Leute sich durch ein enges Rennen im Ranking noch mal Subs an die Community spenden.

Hype- und Boosttrains

Wenn mehrere Zuschauer:innen z.B. einen Sub abschließen oder verlängern, wird ein sogenannter Hypetrain gestartet. Eine Funktion, die nicht so recht jemand benötigen würde, aber bei kleinen Streamern kann da der eine oder andere Sub noch reinkommen. Ein Hypetrain ist eine Anzeige im Chat, die sich einfach in ihren Leveln steigert. Je nach Einstellungen des Streamers werden 5 bis 25 Subs für ein Level benötigt. Wenn das Momentum irgendwann bricht, fliegen für eine Weile die gifted Subs nur so rein. Aus psychologischer Sicht entsteht eine einfache Gruppendyanmik, die sich immer weiter aufschaukelt. „Sowas habe ich noch nicht erlebt“, ist dann keine ungewöhnliche Aussage des/r Streamer:in. Es ist interessant das gerade bei kleineren Streamer:innen mitzuerleben, da es einen emotional komplett rauskickt.

Der Boosttrain ist eine ähnliche Funktion, die gerade als Test an ausgewählte Streamer verteilt wurde. Das Prinzip ist gleich zum Hypetrain, nur werden hier Einblendungen auf der Startseite gesammelt, was für mehr Sichtbarkeit sorgen soll. Ob es das tut, kann ich nicht beurteilen, aber ich kann psychologisch verstehen, dass Twitch da Geld riecht.

Wer als Zuschauer:in sich an einem Train beteiligt, kann dies mit einem Chaticon vor seinem Namen im Chat der Welt zeigen.

Was sind diese Icons vor dem Namen im Chat?

Die Icons vor dem Namen sind einfach erklärt, wenn man es weiß (haha).

  • Der Streamer hat eine Kamera auf rotem Grund.
  • Moderator:innen, die den Chat verwalten haben ein Schwert auf grünem Grund
  • VIPs (durch Streamer:in festgelegt) sind dem Streamer „wichtige“ Personen
  • 1st – Founders Badge: die ersten 10 Subs bei Affiliate bzw. 25 bei Partner

Und dann gibt es noch das Subscription-Icon der Streamer:innen. Jeder Streamer kann selbst festlegen, wie diese Aussehen sollen und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern. In meinem Fall sind das Burger.

Umso länger das Abo, desto größer wird der Burger.

Clips & Highlights

Eine weitere Besonderheit sind Clips, die es ermöglichen Highlights live festzuhalten. Wenn etwas überraschendes, lustiges oder peinliches im Stream passiert, können es Streamer undZuschauerr gleichermaßen clippen. Diese Clips sind dann dem Kanal zugeordnet und können im Chat gepostet werden. Diese Funktion ist auch nützlich, wenn ein Streamer nicht zu einem Thema x-fach etwas sagen möchte. Er macht dann einmal eine Ansage, lässt diese clippen und diese kann dann durch einen Chatbefehl aufgerufen werden.

Probleme auf Twitch: Hot Tube und Casino

Twitch als Plattform ist nicht nur eine heile Welt, es gibt auch fragwürdige Inhalte bzw. niemand versteht so richtig, wieso Twitch so manches duldet (heeeeeeereeee comes the moneeeeey). Ich spreche von hot Tube Streams sowie dem Casino-Streaming, welches durch einen Scam-Fall nun eingeschränkt wird.

Pools, Hot Tube und Beaches

Hot Tube-Streams sind einfach gesagt, Streams, wo sich eine leicht bekleidete Frauen in Pools sich vor der Kamera präsentiert. Mit Verlaub, die größte Scheiße, die sich die Plattform jemals hat einfallen lassen und dem Müll auch noch eine Kategorie zu geben. Entstanden ist es durch ein Schlupfloch in den Nutzungsvereinbarungen ist es nun der Werbekanal zu OnlyFans. Keine Ahnung, was der Müll auf Twitch verloren hat. Aber ich will es auch nicht unter den Tisch fallen lassen.

Die hot Tube-Streams sind halt erfolgreich. Excuse me, wir haben zwar 2022 aber Sex sell. Man kann dann so Sachen machen, wie gegen Geld oder Subs seinen Namen auf dem Namen der Streamerin für den Stream verewigen lassen. Es ist mindestens so cringe, wie es sich anhört.

Casino-Streams

Durch geschickte PR hat kürzlich das Verbot von Casino-Streams die Runde gemacht. Casino-Streams sind sogenannte „Slots“, also ähnliche wie Automaten in einem echten Kasino. In der Vergangenheit wurde dort um großes Geld gespielt und hierzulande als auch in den USA erfreuen sich diese Streams großer Popularität. Das Problem damit ist natürlich, dass Glücksspiel zum einen staatlich reglementiert ist und auf der anderen Seite, Menschen in ernsthafte Probleme bringen kann.

Twitch schiebt ab dem 18.10.2023 einigen Casinos den Riegel vor, da sie sich häufig auf Malta oder anderen kleineren Staaten befinden. Entgegen des Tenors „Casinos sind gebannt“, werden Slots-, Roulette- oder Würfel-Spiele untersagt sein, die nicht in den USA lizenziert sind oder keinen ausreichenden Verbraucherschutz gewährleisten. Was auch immer das heißt.


Fragen meiner Community/meines Umfeldes

Ich habe im Vorfeld auf meinen Social Media Kanälen gefragt, was die Leute (meist Marketing oder Medienprofis) wissen wollen. Auf diese Fragen gehe ich hier ein, so gut es geht.

Warum man sich beim Zocken zeigt?

Die eigene Kam beim Streamen ist ja ein wesentlichen Bestandteil, denn du guckst den Stream wegen des/r Streamer:in. Das Spiel kannst du überall schauen. Es gibt auch einige Spieler:in, die ohne Kamera spielen, weil sie z.B. auf Konsole spielen und direkt darüber streamen oder aus Schutz, weil die Damen und unnötig belästigt werden wollen.

Es entsteht hier aber ein ganz wesentlicher Prozess, den man nicht auf dem Schirm hat: eine parasoziale Bindung. Und dafür ist ein visuelles Bild förderlich. Einen Personenkult wirst du eben nicht aufbauen, wenn du dich nicht zeigst – außer Bansky vielleicht, aber das ist die berühmte Ausnahme.


Was hat es mit den Reactions auf sich?

Reactions, also die Videoreaktionen, die man auf YouTube findet, kannst du aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Es sind Videos oder Videoformate von anderen Creatorn, die unterhalten oder eine Relevanz haben. Ab einer gewissen Größe des Streamers, wird das gemeinsame schauen, auch von der Community gefordert oder vorgeschlagen. Als Streamer füllst du so Streaming-Zeit, besprichst mit einer Community das Video oder geschehen und schneidest dann später diesen Zeil aus deinem VOD (Video on Demand – man kann seinen Stream speichern lassen und ihn herunterladen). Die Reactions bringen den jeweiligen Streamern auch u.U. weitere Einnahmen durch Werbeeinblendungen auf YouTube, sowie zusätzliche Reichweite, die ggf. auf den Stream(er:innen) aufmerksam machen könnte.

Als Streamer kommst du also dem Wunsch deiner Community nach, hast Content für deinen Stream und später noch eine weitere mögliche Einnahmequelle (entsprechende Aufrufe vorausgesetzt).

Eine klassische Reaction: Streamer/YouTuber unsympatischTV reagiert auf Marc Gebauers Video

Unter den Streamern gibt es mehrere unausgesprochene Regeln: Eine Reaction wird meist 1-3 Tage später hochgeladen, um dem Original-Creator ausreichend Views für das Orignalvideo zu lassen. Je nach Verhältnis werden auch Subs oder Geldspenden getätigt, da alle davon profitieren.

Wie kann ich einen Stream vermarkten?

Gute Frage, wenn ich eine Lösung habe, wende ich es bei mir an. Spaß beiseite: die Grundfrage ist, wieso sollte jemand deinen TV-Kanal schauen. Nobody knows. Die Sichtbarkeit auf Twitch ist bescheiden. Es gibt verschiedene Wege seinen Stream zu vermarkten, das naheliegendste sind andere Social Media Plattformen:

  • Youtube für Reations und Gameplays
  • Youtube Shorts, Tiktok und Insta für Clips
  • Instagram, Twitter für Stream-Ankündigungen

Was hier auffällt, dass Facebook aus der Rolle fällt. Facebook hat zwar selbst mit Facebook Gaming ein Streamingangebot, aber da kannst du auch bei Google auf Seite 3 ranken. Niemand will, dass Hermann Grünwald (Fiktiver Name) mit seinem echten Namen Kappa in deinen Chat schreibt. Wirklich nicht.

Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die Vernetzung mit anderen Streamern, sowie vielleicht einen Nickname, der auf seinen Kanal hinweist. Die Spieler:innen haben dann ihre Hauptplattform im Namen (Clantag), was TTV (Twitch.tv), TIKTK oder einfach Live sein kann. Der Name weißt dann auf einen Streamer hin. Die Chancen stehen kurz vor null, dass jemand so auf deinen Stream aufmerksam wird, aber es passiert.

Einen Stream aufzubauen, ist wie altes, hartes, trockenes Brot. Und so lange wie das am Ende dann schimmelt, so viel Geduld wird man aufbringen müsssen.

Warum Menschen den (Top-)Streamern weiter spenden?

Eine Antwort auf diese Frage ist Spekulation, ich versuche hier mal Anhaltspunkte zu geben. Als Erstes, ist es einfach die Anerkennung des Streamers, dann kommt eine parasoziale Beziehung hinzu, der soziale Druck des Umfelds, wo ein Gruppenzwang entsteht und vielleicht Gewohnheit. Wie man oben in der Tabelle sehen kann, ist der Anteil der Prime Subs relativ groß – sprich, es kostet den Zuschauer nichts. 
Außerdem kann es sein, dass man in Teilen des Streams nicht am Stream teilnehmen kann, da dieser auf Emote-Only gestellt ist und dann nur Abonennten Zugriff haben (FOMO).

Kurz: Parasoziale Beziehung, sozialer Druck, FOMO.

Wie kann ich als Firma Marketing auf Twitch betreiben?

Kommt drauf an und wie tief die Marketingtaschen sind. Als Topbrand würde ich vermutlich 3-500.000€ in die Hand nehmen, mir 2 Streamer einstellen (Fulltime) und dann selbst ins Streaming-Game einsteigen. Der Zuschauer:in ist klar, dass es irgendwie finanziert werden muss, somit Werbung stattfindet. Da sollte der Cringe-Faktor möglich gering sein, wie oben in dem Beispiel von McDonalds gesehen. Burger King hingegen hat voll reingeschissen, als sie 2020 einfach stumpf 1-5 Dollar spendeten, um dann sich einer text-to-speech Funktion bedienten, um darauf hinzuweisen, dass der jeweilige Streamer sich eine Menü bei BK kaufen könnte. Die WUV schrieb damals „freche Aktion“, die auch gegen die TOS von Twitch verstießen. Sorry Ogilvy, aber die Kampagne war absoluter Dogshit. Du greifst niemals in das Ökosystem des Streamers ein. Absolutes NOGO.

Also was tun? Es gibt 2 Wege. Die Plattform selbst betreten oder über einen Streamer, den man dann aus der Brille des Influencer-Marketing betrachten sollte.

Pre-Stream Ads kann man sicher auch schalten, aber die Dinger sind so populär bei Streamer:innen und Zuschauer:innen gleichermaßen – KAPPA.

Wer sich entscheidet einen eigenen Kanal aufzumachen, könnte als Hinweis haben, dass alles was reinkommt, an die Community (Twitch) wieder rausgegeben wird oder für einen guten Zweck gespendet wird. Es sollte nicht den Eindruck erwecken, dass die Firma hier einen finanziellen Aspekt verfolgt (was ohnehin sinnfrei wäre).

Wer sich so auf Twitch rumtreibt? 

Inzwischen so ziemlich alle. Überwiegend sicherlich Gamer, Nerds und Geeks, aber nicht nur. Da gerade zum Streaming etwas Verständnis mitgebracht werden muss. Ich gucke mir keine DIY-Streams an, aber die Fangemeinde ist sicherlich auch dort vertreten.

Wie und wo sehe ich, wann jemand streamt?

Das kommt auf den Streamer:in an. Ab einer gewissen Regelmäßigkeit findest du die Streamingzeiten in der Infobox des Streamers, auf seinem Zeitplan (Tab unter dem Stream selbst) oder er gibt es auf seinen Social Media Kanälen bekannt. Wenn du dem/der Streamer:in folgst, wirst du aber auch per Mail benachrichtigt, dass er oder sie online gegangen ist. Den Stream selbst kannst du dann auf deinem Dekstop-PC, Smartphone oder SmartTV laufen lassen. Wenn Du den Stream im Hintergrund laufen lässt, nennt sich das übrigens Lurk. Lurker sind im Netzjargon passive Teilnehmer.

Und warum könnte diese Technologie für Unternehmen interessant sein?

Grundsätzlich ist das Streaming gleich wie überall anders auch. Wer es schafft, Teil des Ökosystems und somit der Kultur zu werden, könnte ein großer Coup gelingen. Allerdings braucht man dafür einen lange Atem, ich würde hier von gut und gern 1-2 Jahren ausgehen. Der Ausübende lernt neben dem technologischen und vor allem technischen Aufbau aber auch die Moderation von Live-Situationen. Das könnte sich löblich in Webinaren und anderen Firmenveranstaltungen auswirken.

Darf ich jede Internetseite über Twitch anschauen bzw. besprechen. Darf ich fremde YouTube Kanäle einfach re-zeigen und besprechen?

Ich bin kein Rechtsanwalt und dies ist keine Rechtsberatung, aber das Urheberrecht gilt auch auf Twitch und somit ist das Zeigen von urhebergeschütztem Material eine Urheberrechtsverletzung, sofern die Rechte dir davor nicht vorliegen. Bei Internetseiten kommt es darauf, denn neben dem Urheberrecht gibt es ja noch das Zitatsrecht. Ein Titkok-Meme sagt dazu: It’s only illegal when there’s police. Sprich, viele Dinge werden geduldet (Youtube-Videos) und das Urheberrecht wird erst geltend gemacht, wenn du z.B. deine Reaktion dann auf Youtube hochlädst.

So streamt auch niemand die Apple Live-Events, da Apple dagegen vorgegangen ist. Denn am Ende hat niemand Bock auf einen Strike, weder auf Youtube noch auf Twitch. Ein Strike ist eine Ermahnung bei dem Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen, Faustregel ist: 3 Strikes, Kanal für immer weg.

Als Noch-Nicht Creator würde mich interessieren, wie diese ganzen Integrationen funktionieren?

Die Interaktionen und Funktionen zu deinem Stream übernimmst du. Twitch stellt dir sozusagen nur einen technologischen Hub, wo du verschiedene Dinge via Freigaben dranhängst. Je nachdem, was es ist, läuft das über einen Dienst oder über deine Streaming-Software (nimm bitte OBS) oder beides. Nehmen wir an, du möchtest eines Animation haben, wenn jemand ein Abo bei dir da lässt, dann verbindest du vorher dein Twitch mit einem Anbieter der Streamingalerts kann (streamelements, nicht streamlabs, weil streamlabs einfach eine riesige Copycat ist), dort kannst du dann deine Animation und den Ton einstellen. Diese Oberfläche bindest dann per externer URL (HTML-Datei) als Overlay in dein OBS ein, damit wenn Twitch meldet, dass es ein neuen Sub gibt, der Alert vom Service ausgelöst werden kann.

Häufig ist es so, dass viele Services Javascript-basiert laufen und dann eben in einer gerenderten HTML-Datei irgendwas darstellen. In meinem Fall geht das soweit, dass per KI Gamereplys gezeigt werden.

Abschließend

Ich hoffe, ich konnte dir einen ersten Überblick auf die Plattform geben. Selbstverständlich gibt es im Detail sicher noch Gegebenheiten, die ich hier nicht oder nur oberflächlich behandelt habe.
Wenn dir der Artikel gefallen hat, lass etwas Liebe da und vielleicht teilst du ihn mit ein paar Worten auf deinen eigenen Social Media Kanälen, damit andere ihn auch lesen können und ich freue mich über jede:r Leser:in. Solltest Du auf schlechtes Gameplay bei Ballerspielen stehen, freue ich mich über dein Follow. Danke dir!